Manch einer denkt jetzt vielleicht: „Wozu brauche ich Wachstum? Ich wäre schon zufrieden, wenn ich einfach nur mal meine Ruhe hätte und mir weder Sorgen noch Gedanken machen müsste, wie ich neue Dilemmas überlebe.

Die meisten Menschen scheuen Veränderungen. Sie sind froh, wenn alles in gewohnter Manier verläuft. Dieser Zustand wird in der Wissenschaft als Komfortzone bezeichnet. Eben der individuelle Bereich des privaten Lebens, der durch Bequemlichkeit und Risikofreiheit geprägt ist und indem wir uns sicher und geborgen fühlen. 

Das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit bringt allerdings den Nachteil mit sich, dass belebende Gefühle wie Begeisterung, Tatendrang und Lebensfreude im Verborgenen schlummern und nicht in ihren Ausdruck kommen. Verharren wir zu lange in unsere Komfortzone, macht sich früher oder später ein Gefühl der Langeweile und Unzufriedenheit breit. Wir dümpeln vor uns hin und werden zunehmend lustloser.

Unser Gehirn ist darin bestrebt, Energie zu sparen. Für alles, was neu für uns ist, verbraucht es zusätzliche Reserven. Konkret bedeutet das, dass wir für unser Denken, Fühlen und Handeln mehr Kraft und Ausdauer aufbringen müssen, je ungewohnter eine Situation für uns ist.

Wie hoch mag da erst unser Kraftverbrauch sein, wenn wir uns in einer echten Krise mit starker emotionaler Beteiligung befinden?

Die Antwort ist, es ist von Mensch zu Mensch verschieden. Es kommt ganz darauf an, wie stark die eigene psychische Widerstandsfähigkeit ausgeprägt ist, die sogenannte Resilienz. Je mehr wir davon im Laufe unseres Lebens mitbekommen haben, desto flexibler und energieschonender können wir uns den neuen Gegebenheiten anpassen.

Nichtsdestotrotz, das Leben selbst ist die Veränderung. 

So lautet ein bekanntes Zitat von Jon Kabat-Zinn, einem amerikanischen Professor und Lehrer für Achtsamkeitsmeditation: 

Du kannst die Wellen nicht stoppen, aber du kannst lernen, sie zu surfen.

Die Wellen des Lebens stehen für alle Widrigkeiten, die uns begegnen. Wir können Krisen nur selten verhindern oder aufhalten. Was wir aber lernen können, ist, wie wir mit Krisen umgehen, um aus diesen gestärkt herauszugehen. Akzeptanz und das Vertrauen, dass nach jedem Tief auch wieder ein Hoch folgt, sind einige der Schlüsselkompetenzen, die uns bei der Bewältigung helfen können.

Manchmal müssen wir eben surfen, ob wir wollen oder nicht. 

Gerade zu Beginn der Pandemie konnten wir beobachten, wie unverzichtbar schnelles Handeln und die flexible Umsetzung von Lösungsansätzen war und auch weiterhin ist. Viele Unternehmen mussten von heut auf morgen ihre Mitarbeiter ins Homeoffice schicken oder ihr eigenes Business auf ONLINE umstellen. Kurzarbeit und Distanzunterricht waren von jetzt auf gleich an der Tagesordnung. Wohl dem, der sich getraut hat, einfach mal zu machen und seine Chance in der Krise erkannt hat.

Viele neue Geschäftsideen und Träume in Sachen Selbstverwirklichung haben sich gerade wegen der Corona-Krise erst in die Tat umsetzen lassen.

Leider kommen auch unsere persönlichen Krisen meist über Nacht. Eine Trennung, ein Jobverlust, ein Umzug oder der Tod eines geliebten Menschen. 

Es ist ganz natürlich, bei solchen Life-Events erst mal mit Ablehnung und Widerstand zu reagieren. Die Komfortzone hier zu verlassen bedeutet nicht nur, Kraft und Energie aufzuwenden, sondern auch Schmerz zu verarbeiten und den Mut aufzubringen, seine eigene Unsicherheit zu überwinden.

Eva-Maria Zurhorst schreibt in ihrem Buch „Liebe dich selbst und freu dich auf die nächste Krise“ dazu Folgendes: 

Wir sind unser bester Heiler und alles passt perfekt zusammen, die Krise im Außen und unsere Wunden im Innen.

Dann heißt es für uns:

Sich erden, einen Schritt zurücktreten, tief durchatmen, versuchen, den Schmerz zu verbrennen und dabei unserem Herzen folgen.

Nur indem wir uns voll und ganz auf uns einlassen, gelingt es uns, unsere eigenen Kräfte wieder zu entdeckten. Jede Blockade im Körper zeigt uns genau, wohin wir den Kurswechsel vollziehen müssen. 

Durch unsere Selbstzuwendung verwandelt sich Schmerz in Lebensfreude und Angst in Liebe.

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