Diesmal gibt es meinen neuen Beitrag als Interview. Der „Andersdenker“ aus Bremerhaven hat mir einige sehr interessante Fragen zum Thema Born-out gestellt. Wer ist der „Andersdenker“? Der „Andersdenker“ ist eine Zeitschrift von und für psychisch Kranke. Die inhaltliche Gestaltung ist vollständig den ZeitungsmacherInnen überlassen. Herausgeber der Zeitung ist die Ambulante Dienste Perspektive gGmbH.

1. Was versteht man unter dem Begriff Burn-out?

Einen Burn-out muss man sich erst hart erarbeiten. Burn-out heißt wörtlich übersetzt „ausgebrannt sein“ und steht für die totale Erschöpfung. Lange Zeiten der persönlichen oder beruflichen Überforderung liegen hinter einem. Die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt zunehmend ab und die emotionale Erschöpfung stetig zu. Es kommt in Folge zu Konzentrationsstörungen mit Vergesslichkeit sowie zu Freud- und Interessenverlust. Der Burn-out-Klient spürt sich und seine eigenen Bedürfnisse nicht mehr. Es geht immer mehr und letztlich nur noch ums reine Funktionieren.

2. Wie kann man einen Burn-out erkennen?

Der Fisch ist bekanntlich der letzte, der das Wasser erkennt. Soll heißen, dass der Betroffene selbst gar keine Wahrnehmung mehr dafür hat, dass er sich unaufhörlich im Hamsterrad dreht. Irgendwann, wenn Körper und die Seele zusammenbrechen, treten plötzlich und vermehrt unerklärlichen Panik- und/ oder Schwindelattacken auf. Oft werden dann alle möglichen Untersuchungen gemacht, um eine organische Ursache auszuschließen. Da fällt es schon eher den Partnern oder den Kollegen auf, dass der andere sich immer schneller im Hamsterrad dreht.

3. Was kann man selbst gegen Burn-out tun?

Zunächst einmal muss man selbst akzeptieren können, dass man ausgebrannt ist. Ohne diese Akzeptanz geht es einfach nicht. Auch, wenn das für denjenigen bedeutet, einmal nicht mehr tapfer sein und alles aushalten und ertragen zu müssen. Ja, es geht in erster Linie darum, sich einzugestehen, dass man so nicht mehr weiter machen kann. Dieses Eingeständnis hat nichts mit Schwäche zu tun, wie oft angenommen wird, sondern erfordert dagegen jede Menge Mut. Im nächsten Schritt gilt, es sich Hilfe und Unterstützung zu holen, um nicht förderliche Verhaltensweisen zu erkennen und im Folgenden zu verändern. Hierbei kann ein Psychologe oder ein Coach der richtige Ansprechpartner sein, weil es darüber hinaus auch zu ergründen gilt, warum sich jemand immer wieder in ungesunde Situationen bringt. Mangelnder Selbstwert, Perfektionismus und Kontrolle sind zum Beispiel solche Beweggründe.

4. Wie unterscheiden sich Burn-out und Depression?

Burn-out und Depression gehen Hand in Hand. Was mit einem Burn-out beginnt, kann in einer Depression enden.

Bei einer Depression denkt man als Erstes an einen Zustand von starker Niedergeschlagenheit und an einen Menschen, der sich nicht mehr aufraffen kann.

Spätestens hier ist mir wichtig zu erwähnen, dass nicht jede Depression immer die gleichen Symptome zeigt.

Die Symptome eines Burn-outs und der agitieren Depression sind sich auffällig ähnlich.

Bei der agitierten Depression haben die Betroffenen keinen verminderten Antrieb wie sonst bei Depressionen. Hier ist der Antrieb sogar gesteigert, die Menschen fühlen sich rastlos und getrieben. Eine innere Unruhe ist ihr ständiger Begleiter, Ängste und Schlaflosigkeit machen sich zunehmend bemerkbar.

Erkennen Sie die Parallelen zum Burn-out?

5. Wie behandelt man einen Burn-out?

In der Auseinandersetzung mit einem Burn-out spielen Akzeptanz, Identifikation von schädlichem Verhalten, Verhaltensänderung und Achtsamkeitsarbeit eine zentrale Rolle. Hierbei können schon folgende Fragen hilfreich sein: Wann bin ich nicht mehr in Kontakt mit mir selbst? In welchen Situationen nehme ich auf körperlicher Ebene vermehrt Druck und Stress wahr? Wie kann ich selbstverantwortlich und rechtzeitig gegensteuern? Was würde mir jetzt guttun? Wer könnte mich unterstützen?

6. Ist Burn-out eine anerkannte Krankheit?

Während die Depression eine anerkannte psychische Erkrankung ist, wird der Burn-out in der Internationalen Klassifikation der Erkrankungen (ICD) lediglich als ein Faktor, der den Gesundheitszustand beeinflusst, aufgeführt.

7. Gibt es Gruppen, die besonders gefährdet sind?

Ja, die gibt es. Perfektionisten, Menschen mit starkem Kontrollbedürfnis oder geringem Selbstwert. Bitte nicht falsch verstehen. Selbst sehr selbstbewusste Menschen können in ihrem Leben in Situationen geraten, in denen sie sich selbst nicht wieder erkennen. Eine junge Frau, die zur Mutter wird, neigt dazu, sich aufzuopfern, nur um zu beweisen, dass sie eine gute Mama ist. Einem gestandenen Mann wird plötzlich nach 20 Jahren Betriebszugehörigkeit gekündigt und er hat das Gefühl, dass ihm alles entgleitet. Fortan wird er versuchen, alles zu kontrollieren, was ihm möglich ist.

8. Wie können einem Angehörige helfen?

Für Partner und Freunde ist es nicht einfach zu helfen. Betroffene ziehen sich immer mehr zurück, auch von den Menschen, die sie lieben. Manchmal verhalten sie sich sogar ungewollt zynisch und distanziert. Versuche, den Gefährdeten zu entlasten, scheitern oft daran, dass sich derjenige über seine Aufgaben und seine Verantwortungsfelder definiert. Hilfe anzunehmen fällt ihm schwer, er fühlt sich zu hohen Leistungen befähigt und lassen sich ungern ihrer Autonomie berauben. Von daher ist Fingerspitzengefühl gefragt. Angehörige können nur Vorschläge machen und ihre eigenen Beobachtungen schildern.

9. Gibt es unterschiedliche Phasen beim Burn-out?

Der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger und seine Kollegin Gail North haben ein Zwölf-Phasen-Modell entwickelt. Es beschreibt die idealtypischen Phasen, die Betroffene mit chronischem Stress auf dem Weg zum totalen Burn-out durchlaufen.

Stadium 1: Der Zwang, sich selbst zu beweisen
Stadium 2: Verstärkter Einsatz
Stadium 3: Subtile Vernachlässigungen eigener Bedürfnisse
Stadium 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
Stadium 5: Umdeutung von Werten
Stadium 6: Verstärkte Verleugnung der auftretenden Probleme
Stadium 7: Sozialer Rückzug
Stadium 8: Beobachtbare Verhaltensänderung
Stadium 9: Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit
Stadium 10: Innere Leere
Stadium 11: Depression
Stadium 12: Völlige Burn-out-Erschöpfung

10. Können auch Kinder am Burn-out erkranken?

Spätestens seit dem Lockdown und dem Homeschooling können wir beobachten, dass immer mehr Kids durchhängen und nicht nur digital überfordert sind. Maskenpflicht im Präsensunterricht, Druck und Kontrolle durch überlastete Eltern zu Hause. Sicherlich gab es auch diejenigen, die sich in diesem neuen unfreiwilligen Format durchaus wohl gefühlt haben und zu Höchstleistungen aufgelaufen sind. Die Frage ist nur, zu welchem Preis und mit welcher Konsequenz? Wenn Sie mich fragen, ja auch Kinder sind Burn-out gefährdet und können daran erkranken, mehr denn je sogar. Das ist nur eine logische Konsequenz in unserer Entwicklung. Unseren Kindern wird immer früher viel mehr abverlangt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.