Die Depression hat viele Gesichter. Bei einigen Betroffenen verläuft sie über viele Jahre chronisch, andere erleben dieses extreme Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit in immer wiederkehrenden Phasen oder auch nur während der dunklen Jahreszeit. Es gibt Menschen, die nur einmal in ihrem Leben die Bekanntschaft mit dieser tiefen Traurigkeit machen. Etwa dann, wenn sie einen starken Verlust erlitten haben oder extrem an ihre persönlichen Grenzen gestoßen sind. Das kann sowohl im Berufsleben, als auch im Privatleben der Fall sein. Enorm belastend sind dauerhafter Stress sowie häufige Streitigkeiten und Konflikte in der Familie oder Partnerschaft. 

Wie jemand mit diesen Herausforderungen umgeht, ist ganz individuell. Woran liegt es also, dass die einen für Depressionen empfänglich und andere scheinbar immun dagegen sind? Die Wissenschaft redet hier von multifaktoriellen Ursachen. Das bedeutet, das Entstehen einer Depression wird von vielen Aspekten beeinflusst. In den meisten Fällen liegt eine Erkrankung des Gehirnstoffwechsels vor. Ähnlich der alten Frage, was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Stellt sich auch hier die Frage: Ist es unser Hirnstoffwechsel, der unsere Stimmung beeinflusst oder ist es unsere Stimmung, die sich auf Prozesse in unserem Hirn auswirkt? Man weiß es eben nicht genau. Darüber hinaus spielen auch körperliche, genetische, sowie psycho-soziale Aspekte eine tragende Rolle. Eine körperliche Grunderkrankung kann ebenso, wie ungünstige Lebensumstände, Depressionen begünstigen. Hierbei gilt es auch unsere Vergangenheit zu berücksichtigen. Selbst kleinste traumatische Erlebnisse sind regelrecht in unseren Körperzellen abgespeichert.

Manchmal kommt es vor, dass sich eine Depression im Körper versteckt oder sie wird von dem Betroffenen verleugnet. Oft wird der Hausarzt zunächst mit körperlichen Symptomen aufgesucht. Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Verdauungsstörungen, Nacken- und Rückenschmerzen, Schwindel und Schlafstörungen gehören zu den üblichen Symptomen.

Glaubt man aktuellen Studien, leiden immer mehr Menschen und vor allem immer mehr junge Menschen an Depressionen. Nie zuvor gab es so viele Möglichkeiten, materiellen Wohlstand, Komfort und perfekte Bilder. Die Technik kann uns heute fast alles ermöglichen. Dank Google bekommen wir binnen Sekunden eine Antwort auf unsere Fragen. Mit einem Klick sind wir via Facebook, Skype oder WhatsApp mit der ganzen Welt verbunden. Ganze Warenkörbe füllen sich im Nu, um unser Ego zu bereichern. Was ist der Preis für diesen Fortschritt? Sind wir in dieser schnellen und scheinbar perfekten Welt überhaupt noch mit uns selbst verbunden?

Diese Fragen hat sich auch die moderne positive Psychologie gestellt und dabei Folgendes festgestellt:

Der Mensch verliert sich mehr und mehr im Alltagsgeschehen. Fast jeder ist auf der Suche nach Glück und Erfüllung. 

Achtsamkeit, Dankbarkeit und Resilienz können uns bei dieser Suche behilflich sein. Indem wir unsere Wahrnehmung mit alles Sinnen trainieren, die Dinge weniger bewerten und unsere Widerstandsfähigkeit stärken, wächst mit der Zeit auch wieder unsere Lebensfreude.

Tatsächlich ist nicht jeder Mensch von Natur aus mit der gleichen individuellen Widerstandsfähigkeit, der sogenannten Resilienz gesegnet. Es gibt diese Stehaufmännchen, denen Lebenskrisen nichts auszumachen scheinen. Nach persönlichen Niederlagen und Schicksalsschlägen finden sie scheinbar schnell wieder in ihre alte Kraft und Stärke zurück. Das Erlebte wird von dieser Personengruppe mehr als Erfahrung verbucht und konstruktiv als Anlass für die eigene Entwicklung genutzt. 

Die gute Nachricht ist, die Fähigkeit der Resilienz lässt sich trainieren. Unsere Persönlichkeit ist nicht in Stein gemeißelt, wir entwickeln uns ein Leben lang. Selbst im hohen Alter können wir an uns und unsere Sicht auf die Dinge arbeiten. Das ist zuweilen ein hartes Training und erfordert einiges an Ausdauer. Ähnlich einem Fitnesstraining. Im ersten Schritt gilt es das eigene Selbstbewusstsein zu identifizieren, den eigenen Selbstwert zu erkennen und zu wissen, was und wohin man will. Die Erfahrung, dass jeder wirklich jeder wertvoll ist und sein Leben individuell gestalten kann, bringt neue Lebensfreude mit sich. Diese Lebensfreude ist es wiederum, die uns für andere Menschen attraktiver macht und uns am Leben teilnehmen lässt. 

„Auch wenn der Himmel stark bewölkt ist, ist die Sonne nicht verschwunden.“

-Eckhart Tolle-

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